Tatsächlich wissen wir bisher sogar erstaunlich wenig darüber.
Beim Gorilla kommen dafür aber einige mögliche Quellen in Frage. So nehmen wildlebende Populationen neben ihrer überwiegend pflanzlichen Nahrung teilweise Erde, aber auch Insekten auf.
Langzeitbeobachtungen aus Gabun zeigten beispielsweise, dass sich Weberameisenreste in etwa einem Drittel der Kotproben befanden. Weitere Arbeiten zu Menschenaffen betonen ausdrücklich, dass Insekten B12 und andere Mikronährstoffe liefern können.
Gelegentlich wurde bei wilden Gorillas außerdem Koprophagie beobachtet, also die Aufnahme von Kot, wodurch theoretisch auch mikrobiell gebildete Stoffe erneut in den oberen Verdauungstrakt gelangen könnten. Gerade bei manchen Pflanzenfressern – etwa Kaninchen und verschiedenen Nagetieren – ist das ein normaler und wichtiger Bestandteil ihrer Verdauungsstrategie, weil dadurch mikrobielle Vitamine und Proteine, die erst im Blind- und Dickdarm entstanden sind, nochmals durch den Dünndarm gelangen und besser aufgenommen werden können.
Welche dieser Quellen im Leben von Gorillas tatsächlich welchen Anteil an der B12-Versorgung liefert, ist bislang jedoch nicht ausreichend geklärt. Insekten, Erde, Wasser, Kot, unbeabsichtigt mitgefressene Wirbellose und andere mikrobiell kontaminierte Nahrungsbestandteile könnten mögliche Erklärungsansätze sein. Es wäre aber zu weitgehend, aus der überwiegend pflanzlichen Ernährung solcher Tiere zu folgern, dass B12 für sie keine besondere Rolle spiele oder allein durch Pflanzenkost bereitgestellt werden kann.
Der wissenschaftlich vorsichtige Schluss lautet deshalb: Die Forschung hat bei Hinterdarmfermentierern bisher wesentlich weniger eindeutige Erkenntnisse erbracht als bei Wiederkäuern. Und auch wenn im Dickdarm B12 entsteht, bedeutet das nicht automatisch, dass ausreichend davon beim Wirtstier ankommt.
Außerdem verfügt der menschliche Körper über größere B12-Speicher, weshalb sich eine unzureichende Versorgung oft erst nach längerer Zeit bemerkbar macht. Ein zunächst unauffälliger Zustand ist deshalb nicht automatisch gleichbedeutend mit einer langfristig ausreichenden Versorgung.
Bei der Labordiagnostik lohnt sich zudem ein genauerer Blick. Serum-B12 allein bildet den Versorgungsstatus nicht immer zuverlässig ab. Bei unklaren Befunden können deshalb zusätzliche Marker wie Holotranscobalamin und Methylmalonsäure hilfreich sein.
Interessant ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass Vitamin B12 nicht nur beim Menschen, sondern bei vielen Tieren in relevanten Mengen gespeichert wird. Solche Reserven können grundsätzlich dazu beitragen, zeitweise Schwankungen in der Versorgung abzufangen und legen damit zumindest nahe, dass die B12-Zufuhr unter natürlichen Bedingungen nicht unbedingt besonders regelmäßig gewesen sein muss.
All das zeigt eigentlich, wie komplex das Thema Vitamin B12 wirklich ist.
Und welche Rolle letztendlich Umweltfaktoren wie Böden, Wasser oder fermentierte Lebensmittel in der B12-Versorgung früher Menschen tatsächlich spielten, lässt sich nicht so sicher rekonstruieren, wie es manchmal dargestellt wird.
Ich hoffe, der Beitrag konnte ein wenig Neugier wecken – und vielleicht auch Lust darauf, bekannten Dingen einmal mit anderen Augen zu begegnen.
Manchmal lohnt sich ein zweiter Blick – und manchmal führen erst der dritte, vierte oder fünfte zu einer völlig neuen Perspektive.
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@VerschuetteteHeilkunst ⭐️