Es war ein ruhiges frühsommerliches Wochenende. Ich war mit meiner Frau auf Wochenendseminar. Die Seminarteilnehmer saßen im Kreis, wir diskutierten und lachten. Ohne Vorwarnung spürte ich plötzlich einen Messerstich in der linken Brust, der mich zu Boden riss. Doch da war kein Messer. Keine Verletzung. Meine linke Seite stach brutal, vom Zwerchfell bis hoch zur linken Schulter, am allermeisten hinterm Herz. Atmen war kaum möglich, jede Bewegung war höllisch schmerzhaft. Ich saß keuchend am Boden neben meinem Stuhl und brachte keinen Ton heraus. Dass Teilnehmer ab und zu Pause machten, aßen oder aufstanden, war völlig normal. So nahm kaum jemand im Raum Notiz von mir. Nach einer Viertelstunde war der Spuk wieder vorbei, als ob nie etwas geschehen wäre. Ich fühlte mich zwar kurzatmig, aber die Schmerzen waren weg.
Sicherheitshalber trank ich abends jede Menge Strophantin, das ich auf Daniels Rat seit dem Winter bei mir hatte. Es schmeckte so gut wie nie zuvor, was mich ein wenig wunderte.
Am nächsten Tag war ich wieder fast völlig schmerzfrei, so blieb ich noch bis zum Ende des Seminars. Und für die Rückfahrt legte ich mir das Fläschchen Strophantin griffbereit in den Wagen neben den Sitz. Ich saß auch am Beifahrersitz, rein sicherheitshalber.
Wir waren schon fast daheim angekommen. Plötzlich wieder ein unsichtbarer Messerstich, diesmal riesig breit und tief, der mir zugleich Magengrube, Brust und linke Schulter zerschnitt.
Irgendwie schluckte ich mit zitternden Fingern noch den letzten Rest Strophantin, während meine Frau über eine Kreuzung raste. Ich konnte nicht mehr atmen. Ab hier fehlt mir die Erinnerung. Meine Frau wusste, wir mussten nach Hause, so rasch wie möglich. Dort lag noch eine zweite kleine Flasche Strophantin. Sanitäter oder Ärzte würden mir jetzt nicht helfen können, denn das bewährte Herzmittel gibt es in der Notfallmedizin längst nicht mehr.
Irgendwann kam ich daheim wieder zu Bewusstsein. Stunden später? Tage? Ich weiß es nicht mehr. Ich lag still auf der Couch. Ich war noch da. Eine Woche lang lag ich apathisch dort, fast regungslos. Bettelte ab und zu um Wasser, kroch nachts auf allen Vieren auf die Toilette. Und fühlte mich so schwach und zitterig wie Opa 80. Die Lunge stach und schmerzte. Oder war es das Herz? Oder das Zwerchfell? Im Sitzen konnte ich atmen. Ich leerte in diesen Tagen unsere zweite Flasche Strophantin, eine ganz winzige Flasche. Das war alles, was wir davon noch hatten. Schmeckt übrigens lecker, wie Hustensaft aus der Kindheit in den 80er-Jahren. Vielleicht schmeckt es auch nur so gut, wenn der Körper es braucht. Was weiß ich schon vom Leben.
Die Wochen danach waren ziemlich unspektakulär. Ich war schmerzfrei und schwach und ungewohnt langsam. Sonst war alles gut.
Seitdem sind weitere Wochen vergangen. Inzwischen Sommer 2026. Ich bin noch da. Ich kann wieder atmen, laufen, arbeiten, und niemand merkt etwas. Daniel Stoica verdanke ich buchstäblich mein Leben dank seiner Hilfsbereitschaft und des Strophantin. Und Dr. Hamer und Familie Pilhar verdanke ich mein bescheidenes Wissen um meinen Körper. So blieb ich angstfrei, auch in größten Schmerzen. Es gäbe natürlich noch einiges mehr zu berichten.
Seid fest gedrückt, ihr alle!
Andreas Daniel, der Dokumentarfilmer von
http://vollkommenfrei.at/Anmerkung von Björn Eybl
Noch in den 60ern war Strophantin DAS Mittel in Spitälern bei Herzproblemen. Danach wurde es von synthetischen und weniger wirksamen Mitteln verdrängt. Heute erlebt Strophantin dank des Internets eine Renaissance - zum Glück.