Etwas Geschichte:
Zwischen Bronze und Thüringerkrone
Lange bevor man das Land Sachsen-Anhalt nannte, lag zwischen Harz, Elbe und Saale eine weite Landschaft aus Wäldern, Flüssen und fruchtbaren Ebenen. In jener fernen Bronzezeit, vor mehr als dreitausend Jahren, kannten die Menschen weder Sachsen noch Thüringen als feste Länder. Sie lebten in kleinen Siedlungen, trieben Handel, bestellten ihre Felder und ehrten die Kräfte der Natur.
Wenn am Morgen der Nebel über der Saale lag, erzählten die Alten, der Fluss werde von einer silbernen Hüterin bewacht. Sie, so glaubte man, führe die Menschen zu fruchtbaren Ufern und beschütze jene, die ihre Gaben achteten. Auf den Höhen des Harzes aber, wo der Wind durch die Wälder strich, sollten die Götter des Himmels und des Feuers wohnen. Bronze wurde geschmolzen, Schmuck und Waffen wurden gefertigt, und der Glanz des Metalls galt als ein Geschenk der Sonne.
Die Menschen jener Zeit gehörten verschiedenen bronzezeitlichen Kulturen an. Archäologen nennen einige von ihnen heute die Aunjetitzer Kultur und später die Lausitzer Kultur. Diese Namen stammen nicht aus der Bronzezeit selbst, sondern wurden ihnen viele Jahrhunderte später von der Forschung gegeben. Einen einheitlichen Namen für das gesamte Gebiet gab es damals nicht.
Erst viel später, in der Spätantike, traten die Thüringer in dieser Landschaft hervor. Zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert nach Christus entstand das Thüringerreich. Sein Einfluss reichte vermutlich über das heutige Thüringen hinaus und umfasste zeitweise auch Teile des südlichen und westlichen Sachsen-Anhalts. Doch nicht das ganze Gebiet gehörte dazu. Im Norden und Osten lebten andere Bevölkerungsgruppen, unter ihnen später auch Sachsen und slawische Völker.
Eine alte Sage könnte erzählen, dass die Thüringer ihre Macht von den Kindern der Sonne erbten – von einem Volk, das einst aus den Nebeln der Flüsse hervorgegangen war. Vielleicht glaubten die späteren Könige, die goldenen Bronzegegenstände ihrer Vorfahren seien nicht nur Schmuck und Waffen gewesen, sondern Erinnerungen an eine Zeit, in der Menschen, Flüsse und Götter noch enger miteinander verbunden waren.
So wurde das Land über Jahrtausende hinweg von vielen Völkern geprägt. Aus den bronzezeitlichen Siedlungen, den Wegen der Händler, den Reichen der Thüringer und den späteren Herrschaften der Sachsen und Askanier entstand schließlich jene historische Landschaft, aus der Sachsen-Anhalt hervorging.
Der Name selbst kam erst im Mittelalter: Sachsen erinnerte an die Sachsen, Anhalt an die Burg Anhalt im Harz und an das askanische Herrscherhaus. Das heutige Bundesland entstand jedoch erst im 20. Jahrhundert.
Und doch scheint in den Hügeln, Flüssen und alten Burgen noch immer etwas von jener fernen Vergangenheit zu leben: der Klang der Bronze, das Rauschen der Saale und die Erinnerung an ein Land, das schon lange existierte, bevor es seinen heutigen Namen erhielt.
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